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2005

Karl-Markus Gauß: Die Hundeesser von Svinia (excerpt in German)

Die Hundeesser von Svinia

Am Hauptplatz standen vier einstmals weiße Häuser, die bis zur Höhe von einem Meter mit Lehm und Kot beschmiert waren. Aus jedem der
sechs Fenster eines Stockwerkes schaute jemand heraus, rauchend, sich mit Zuruf, Ermunterung, Spott in die Spiele und Unterhaltungen da unten einmischend, und die meisten, deren Blick den meinen kreuzte, winkten mir zu, ich solle zu ihnen hinaufkommen. Schließlich nahm mich eine alte Frau mit langem blaugrauen Haar an der Hand und führte mich in ein Haus hinein. Im lichtlosen Stiegenhaus stieg mir der Geruch der Verwesung wieder in die Nase, in den ich draußen bereits so lange eingetaucht war, daß ich ihn nicht mehr bemerkt hatte. Dem Gemisch der Fäulnis mußte hier eine neue Ingredienz beigefügt sein, die ich nicht isolieren konnte. Wir gingen, begleitet von ein paar johlenden Kindern, die mich unablässig anstießen, weniger um mich auf etwas aufmerksam zu machen, sondern weil sie wünschten, daß ich sie ansah, in den ersten Stock hinauf, wo vor den Wohnungen, die meist ein einziges Zimmer hatten, in der Düsternis ein paar Männer und Frauen standen, die mir neugierung zunickten.

(source: Vilenica Almanac 2005 )